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Eskaliert zeitnah: Entwickler zieht Horrorspiel "Devotion" zurück

Philipp Rall
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Aufgrund politischer Kritik und darauf folgenden Protesten aus China musste der Entwickler Red Candle Games sein Horrorspiel "Devotion" zurückziehen.

Nur kurze Zeit nach seiner Veröffentlichung hat es das Spiel "Devotion" der taiwanesischen Entwicklerstudios Red Candle Games auf den zweiten Platz der Steam-Verkaufscharts geschafft. Auch die Bewertungen des Horrorgames erlebten schnell einen Höhenflug, der das Gameplay und Design des spannend inszenierten Spiels belohnte. Dennoch sorgte "Devotion" schon kurz nach seinem Start für massive Proteste aus China.

"Devotion" gerät in chinesische Kritik

Mit einem kleinen Scherz machten sich der Entwickler schnell große Feinde. Genauer trafen sie damit nahezu die gesamte chinesische Community, denn er griff ihren Präsidenten an. Mitte Februar wurde "Devotion" veröffentlicht und erlebte bereits kurz darauf seinen ersten Höhenflug – gefolgt von einem herben Rückschlag. So ist das zunächst so beliebte Horrorspiel mittlerweile nicht mehr bei Steam zu finden. Lediglich die "Deluxe Edition" kann man sich noch herunterladen, erhält damit jedoch lediglich den Soundtrack zum Spiel.

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Grund für diese plötzliche Wendung sind einige politische Anspielungen, die Red Candle Games in "Devotion" versteckt hatte. Diese behandelten mitunter die Spannungen zwischen Taiwan und der Volksrepublik, zielten jedoch auch direkt auf den chinesischen Präsidenten ab. In einem Raum findet sich sogar ein Plakat, auf dem die Entwickler den Staatspräsidenten Xi Jinping mit Puh dem Bären, einem beliebten Kinderbuch-Charakter, vergleichen.

Staatsfeind Nr. 1: Winnie Puh

Bereits in der Vergangenheit wurde klar, dass Präsident Xi dem Bären aus der gleichnamigen Kindergeschichte nicht wohlgesonnen ist. Schuld daran sind vor allem Memes, auf denen die beiden mitenander verglichen wurden, was dem chinesischen Staatsoberhaupt natürlich überhaupt nicht passte. Daher verbot Xi kurzerhand alle Bilder sowie den Film des kinderfreundlichen Bären Winnie Puh im Land. Die Proteste, die "Devotion" heraufbeschwor, waren also mehr oder weniger absehbar.

In Deutschland haben wir ein ähnlich hitziges Szenario erlebt, als der Show-Moderator Jan Böhmermann sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Erdoğan. Auch auf ihn kamen Proteste und Verfahren zu, denen nun wohl auch die taiwanesischen Entwickler entgegenblicken. So wurden einige Nutzerkonten der Studios bereits gelöscht – mitunter auf Weibo, einer Art chinesischem Facebook. Auch das Spiel lässt sich bei Valves Spieleplattform Steam bekanntermaßen nicht mehr finden.

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Zumindest "Detention", ein weiteres Spiel aus dem Hause Red Candle, darf sich bereits mit einigen Preisen für Indiegames rühmen. Wie es nach dem Shitstorm der chinesischen Community für Red Candle weitergehen wird, ist derzeit noch unklar, jedoch ist damit zu rechnen, dass das letzte Wort in der Angelegenheit noch nicht gesprochen ist. Wir halten dich auf dem Laufenden.

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